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Die wechselvolle Geschichte von Haus Mödrath

Alles begann als der Kaufmann Georg Albert Reinecker, Leiter einer Kölner Nadelfabrik, 1804 in den Besitz der Mödrather Mühle an der Kleinen Erft kam. Die Mühle, erstmals 1260 erwähnt, war überwiegend zum Mahlen von Getreiden verwendet worden bis Reinecker sie so umbaute, dass sie fortan als Farb- und Drahtmühle genutzt wurde. Reinecker verstarb 1824 und vererbte all sein Hab und Gut seiner zweiten Frau, M. A. Reinecker, die ebenso geschäftstüchtig war. Sie kommt auch als Bauherrin von Haus Mödrath, ein Herrenhaus nördlich der Mühle außerhalb des Ortes Mödrath, das zwischen 1825 und 1838 einst als zweigeschossiger Putzbau in klassizistischem Stil vermutlich von dem Architekten Johann Anton Wallé erbaut wurde, in Betracht. Vermutlich mit dem Bau des Hauses wurde umliegend ein Landschaftsgarten angelegt. Frau Reinecker wurde von dem Mann ihrer Nichte, Jacob Merkens, der einer bekannten Kölner Unternehmerfamilie entstammte, unterstützt und übertrug ihm letztlich die Nachfolge. Es ist nicht auszuschließen, dass Merkens ebenfalls an dem Bau von Haus Mödrath beteiligt war.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Anwesen, das im Volksmund gerne als „Burg Mödrath“ bezeichnet wurde, an den Textilfabrikanten Ernst Henkels verkauft. Er stockte das Herrenhaus um ein Attikageschoss auf und errichtete etwa 1905 eine Turbine an der Mödrather Mühle und ließ ein unterirdisches Stromkabel vom Turbinen-Haus zum Herrenhaus legen. Mühle und Haus Mödrath waren dadurch die ersten Gebäude im Kreis Bergheim, die über elektrisches Licht verfügten. Die Kreiswerke nahmen die Stromversorgung erst ab 1910 auf.

Das Anwesen wechselte noch mehrmals den Besitzer bis es von 1925 bis 1932 von der Unternehmerfamilie Rolff an den Kreis Bergheim verpachtet wurde, welcher die Handelsgeschäfte von „Burg“ und Mühle erstmals trennte. In dem Herrenhaus wurde ein Wöchnerinnenheim geschaffen. Am 22. August 1928 kam dort der deutsche Komponist und Begründer der elektronischen Musik Karlheinz Stockhausen zur Welt. Sein Meisterwerk „Gesang der Jünglinge“ schuf er 1955 im Studio für elektronische Musik beim WDR in Köln, wo er 1963 künstlerischer Leiter wurde. Seine Mutter fiel nach der Geburt ihres zweiten Sohnes in Depression, wurde Ende 1932 in eine Anstalt eingewiesen und im Mai 1941 von den Nationalsozialisten im Rahmen des Euthanasieprogramms in Hadamar vergast. Von 1933 bis 1935 diente Haus Mödrath zeitweilig als nationalsozialistisches Schulungsheim.

Während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das Haus stark beschädigt wurde, beherbergte das Haus Flüchtlingsfamilien bis es 1949 der Malteserorden erwarb und dort ein Kinderheim einrichtete. In diesem Zuge wurde das Herrenhaus nach Plänen des Bonner Architekten Toni Kleefisch erneut aufgestockt und mit einem Steildach in den heutigen Zustand gebracht. Doch schon wenige Jahre später war klar, dass der gesamte Ort Mödrath dem Braunkohletagebau weichen muss und 1960 wurde das Kinderheim schon wieder geschlossen. Alle Anwohner von Mödrath wurden umgesiedelt, deren Häuser und die Mödrather Mühle abgerissen. Der gesamte Ort war verschwunden. Nur Haus Mödrath ist übriggeblieben. Danach stand es mehrere Jahre leer und verfiel zusehends, der Park verwilderte. 1981 kam quasi die „letzte Rettung“. Der „Burgenkönig“ Herbert Hillebrand, der 15 Kinder hat und für jedes ein Schloss oder eine Burg kaufte, erwarb das Herrenhaus und ließ es unter anderem zur Eigennutzung mit 17 Marmorbädern, einer Schwimmhalle, offenen Kaminen unter dem Architekten Manfred Langenbrink sanieren. Auf dem 75.000 m² großen Gelände richtete er den Park her und erbaute ein weiteres Gebäude, einen Reitplatz sowie einen Tennisplatz. Die Familie bewohnte das Anwesen von ca. 2003 bis zu Beginn der 2010er Jahre, danach stand es leer und zum Verkauf.