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Entwurfserläuterung zu Haus Mödrath

Beim Umbau von Haus Mödrath zu einem Wohnhaus mit Kunst und Kultur durch Sollich Architekten galt als Entwurfsgrundsatz, wesentliche Zufügungen der vorausgegangenen Bauphase zurückzubauen. Dabei war eine Rekonstruktion auf einen vermeintlich historischen Originalzustand im Sinne einer Baudenkmalpflege eben so wenig angestrebt, wie der Erhalt sämtlicher Zeitschichten. Ziel der jüngsten Umbauphase ist ein dialogischer Umgang mit Originalsubstanz, zeitlichen Versatzstücken und neuen Zufügungen. Die rein räumlichen Qualitäten in Maß, Proportion, Folge und Rhythmus galt es dabei herauszuarbeiten.

Während der Umbauplanung wurde zunächst geklärt, was noch bauzeitliche und authentische Originalsubstanz des seit den 1980er Jahren denkmalgeschützten Gebäudes ist und, was durch Umbauten und Uminterpretationen durch den Voreigentümer Anfang der 1980er Jahre im damaligen Verständnis einer vermeintlich „historisierenden Korrektur“ als Erfindung hinzugefügt oder verändert worden war. Recherchen über die Baugeschichte ergaben, dass das ursprünglich in den 1830er Jahren als zweistöckig errichtete Herrenhaus eines Farbholz-Mühlenbesitzers, um 1900 durch ein Attikageschoss aufgestockt und 1949 mit einem großen Walmdach mit Gauben ergänzt worden war. Im behutsamen Rückbauprozess wurde das Gebäude auf den Rohbauzustand zurückgeführt, die authentische Treppenanlage im Inneren blieb erhalten.

An der Außenfassade wurde ein überproportionierter „Sonnenbalkon“ über dem Haupteingang auf die ursprünglich bescheidenen Proportionen eines Präsentierbalkons zurückgeführt. Ein ehemals vorhandenes Gesimsband oberhalb des ersten Obergeschosses, das die erste Aufstockung des Hauses ablesbar macht, wurde wiederhergestellt, jedoch aus spiegelglänzendem Blech, welches als Vexierbild Himmel und Landschaft fragmentarisch darstellt. Weiterhin wurde ein Balkon auf der Parkseite mit darunter befindlichem Wintergarten entfernt, so dass das Gebäude nun wieder in seiner ursprünglichen Proportionalität vom Park aus mit seiner etwas stoischen Fenstergliederung erfahrbar ist. Die Einheit von Körper und Raum im Sinne der Romantik – die Grundlage des Entwurfsgedankens in der ersten Bauphase gewesen sein wird – wird hier durch ein modernes Element aufgegriffen: Ein rahmenloser Glaskubus erweitert den sonst eher hermetischen Innenraum im ersten Obergeschoss zum Park hin und löst die steinernen Grenzen auf. Im Inneren durchschreitet der Betrachter die abgrenzende Fassade um ca. 1,5 Meter und befindet sich gewissermaßen im Park. So wurden Haus und Park, die einst eine Einheit bildeten, miteinander verbunden, wenn auch das Haus selbst von der Eingangsseite nie zum Park, sondern zur Mödrather Mühle ausgerichtet war. Weiterhin war ein unmittelbarer Kontakt vom repräsentativen Erdgeschoss zum Park, der sich auf Untergeschossebene befindet, bislang nicht ermöglicht, und wurde nun aber mit einer asymmetrisch frei vorgestellten, bequemen Rampe realisiert. Hier wiederholt sich die Materialität des Gesimses durch spiegelnde Stahlblechverkleidungen. Hatte das Gebäude in der Fassung der Erstehungszeit über dem ersten Obergeschoss lediglich ein Flachdach, so trug das schwere und mächtige Walmdach nach den Aufstockungen zum wuchtigen Charakter des Gebäudes bei. Das Walmdach wurde gegenwärtig von zweieinhalb Geschossebenen im Inneren befreit und mit einem großen Glasdach versehen. Wiederum spiegelnde Metallrahmen und die Transparenz machen das Dach leichter und im Dunkeln scheint das Licht aus dem Inneren nahezu in den Himmel zu strömen. Die Farbgebung des Hauses wurde von einem „österreichisch anmutendem Theresia-Gelb“ aus der vorherigen Bauphase hin zu einem mehrfach nuancierten Sandsteinfarbton zurückgenommen und fügt sich damit in die umgebende Landschaft ein.

Innen zeigt sich das Wohnhaus nun wieder mit großzügigen Räumen, die unterschiedlich in Abfolgen für Rundgänge oder als klassische Kabinette angelegt sind. Die Oberflächen sind schlicht und hell – in Kalkzementputz, mit großzügigen Eichenböden und Kalksteinplatten gehalten. Eine einheitliche Beleuchtung, die sich jeweils auf die Raumfassung und Proportion bezieht, fasst das Gebäude zusammen. Lediglich der als großer Speicher stützenfrei geöffnete Dachraum ist adäquat mit schwarzem Gussasphalt und einer Wandverkleidung aus Seekieferplatten hergestellt. Das Untergeschoss – vormals innerhalb des Hauses nicht erschlossen – kann nun durch das Schwimmbad, welches der Vorbesitzer unter einem großen Kraftakt erbaut hat, durch eine trichterförmige Stiege aus Seekiefer im Rundgang eingebunden werden. Es wiederholt sich der einfache Gussasphaltboden im „Dienstgeschoss“, hier befindet sich unter anderem eine Küche mit Zugang zum Park.