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Dream Baby Dream (kuratiert von Gesine Borcherdt)

Das Haus der Kindheit ist ein Ort der Fantasie, des Schutzes und des Spiels, aber auch des Traumas, der Gewalt und der Angst. Hier entscheidet sich, wer wir sind, was wir werden und was wir verdrängen. Der Impuls des Kunstmachens rührt bei vielen Künstlern aus der Kindheit. Frühe, ureigene Erfahrungen werden in Kunst und somit in etwas Größeres transformiert, das unseren Blick auf die Welt erneuert, weitet und ändert.

Die Ausstellung Dream Baby Dream zeigt Künstler, deren Werke aus einer solchen Vorstellungskraft heraus entstanden sind. Sie weisen eine starke Bindung zur Zeit des Aufwachsens auf – als gestalterische Inspiration, aber auch als Metapher für physische, psychologische und soziale Konflikte. In ihrem Zusammenspiel entsteht eine Atmosphäre, in der die dunklen Seiten von Kindheit und Jugend neue Formen annehmen.

Der Titel der Schau geht zurück auf den Song des einflussreichen Elektro-Duos Suicide, Pioniere des Post-Punk und Vorläufer von Techno. Der dunkle Sound des Songs und die Elvis-artige Stimme des Sängers Alan Vega lassen den „American Dream“, der unser Denken bis heute prägt, zu einer Alptraumschlaufe werden – und zugleich zu einem tranceartigen Hoffnungsschimmer. Rebellion und Sehnsucht, Angst und Fantasie greifen ineinander.

Das Haus Mödrath blickt selbst auf eine lange Geschichte mit Kindern sowie auf einen entscheidenden Moment in der elektronischen Musik zurück. Erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts als Herrenhaus einer Farbholzmühle mitten im Wald bei Köln, wurde es in den 1920er-Jahren in ein Wöchnerinnenheim verwandelt, wo der Pionier der elektronischen Musik Karlheinz Stockhausen geboren wurde. Unter den Nazis diente das Haus als Schulungsheim, im Krieg kamen hier Flüchtlingsfamilien unter, danach entstand ein Kinderheim mit bis zu 60 Kindern, und nach mehreren Jahren Leerstand zog eine Familie mit 15 Kindern ein. 2017 wurden daraus die Räume für Kunst. Die Ausstellung Dream Baby Dream ist die dritte Ausstellung, die hier stattfindet.

U.a. mit Jean-Marie Appriou, Lynda Benglis, Susan Te Karuhangi King, Mike Kelley, Veit Laurent Kurz, Paul McCarthy, Charlemagne Palestine, Wong Ping, Barbara Rossi, Laurie Simmons, und Jean-Luc Verna.

Gesine Borcherdt ist Redakteurin beim Kunstmagazin BLAU / BLAU International in Berlin sowie Kuratorin des Projektraumes CAPRI in Düsseldorf.